Auf eine Bucketlist gehört meiner Meinung nach der Punkt „Polarlichter bewundern“. Hätte ich eine Bucketlist, könnte ich den Punkt jetzt bereits zum zweiten Mal abhaken: Gestern konnte man zum zweiten Mal so richtig eindrucksvolles Polarlicht (Aurora Borealis) in Deutschland sehen. Zum ersten Mal habe ich die Polarlichter im Mai 2024 gesehen. Der sogenannte „Gannon-Sturm“ sorgte hierzulande für rot gefärbte Himmel – und zwar weit über den Horizont hinaus.
Der Anblick war beeindruckend und ich konnte nicht aufhören, zu schauen, zu staunen und zu fotografieren. Doch seitdem ist eine gefühlt sehr lange Zeit vergangen. Völlig überraschend feuerte die Sonne dann am Sonntag jedoch einen CME der Stärke X1.9 ab, der schon gestern auf der Erde ankam.
Vorbereitung auf die Polarlicht-Nacht in Deutschland
Also: Am frühen Abend die Kamera checken, das Stativ bereitlegen und dicke Kleidung für die kalte Nacht heraussuchen. Und dann: Warten. So ein Abend auf der Couch kann sich ganz schön in die Länge ziehen: Von Aurora-App zu X zu Polarlicht-Forum springen, um herauszufinden, wann der beste Zeitpunkt ist, um loszuziehen. Gegen 22 Uhr habe ich mich dann auf den Weg gemacht zu meinem Beobachtungs-Spot. Der ist zum Glück nur 3 Autominuten entfernt.

Dort angekommen musste ich natürlich als Erstes ein Testbild machen: Smartphone mit 8-Sekunden-Langzeitbelichtung Richtung Norden halten und abdrücken – egal, wie verwackelt die Aufnahme wird. Und tatsächlich: Auf dem Bild war der Himmel bereits komplett rot gefärbt. Nach der ersten Begeisterung ging es am Himmel gleich richtig rund. Man konnte die roten Schleier mit bloßem Auge erkennen und plötzlich tauchten sie auf: Grüne Bänder bewegten sich über den Himmel.
Eine echte Zwickmühle beim Beobachten der Polarlichter
Fasziniert stand ich da und hielt mit dem Smartphone ohne Stativ auf das Spektakel vor meinen Augen. Immer im Hinterkopf der Fakt, dass die Bilder nichts werden dürften, weil sie ohne Stativ natürlich verwackeln. Nur: Wenn ich das Stativ und die Kamera aufbauen würde, würde ich das Polarlicht-Spektakel verpassen – eine echte Zwickmühle.

Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, das Stativ erst aufzubauen, als die grünen Bänder wieder verschwunden waren. Ein paar von ihnen kamen später noch einmal wieder und ich habe sie doch noch erwischt. Der Rest davon ist für immer in meinem Gehirn abgespeichert und hat den Wunsch, die Aurora Borealis zu sehen, nicht gerade kleiner werden lassen.
Ganz im Gegenteil: Irgendwann muss ich doch einmal Polarlichter im hohen Norden schauen gehen. Wenn das in Deutschland schon so faszinierend sein kann, will ich unbedingt sehen, wie das innerhalb des „üblichen“ Polarlichtovals aussieht. (Genau so ging es mir nach der ersten totalen Sonnenfinsternis im Jahr 1999 auch – und dieses Jahr schaue ich mir die nächste totale Sonnenfinsternis in Spanien an.)
Hier hat mir übrigens ein Sonnen-Experte erklärt, was gestern Abend passiert ist und wie das Polarlicht entstand.